Nonna Lupa sagt: Selbst der Bundeskanzler bezeichnet die Jägerschaft als Natur- und Artenschützer. Das klingt staatstragend, ist aber trotzdem falsch. Jagdausübung ist nicht Natur- und Artenschutz — und wer beides gleichsetzt, verwechselt das Töten von Tieren mit dem Schutz von Lebensräumen, Populationen und ökologischen Zusammenhängen. Worin der Unterschied zwischen Jagd und Natur- und Artenschutz besteht, habe ich unter „Wolfsschutzrecht im Klartext“ ausführlich dargelegt.

Warum biedert sich ein Bundeskanzler derart bei der Jägerschaft an? Und wofür genau bedankt er sich eigentlich? Dafür, dass auch geschützte und im Bestand bedrohte Arten bejagt werden, obwohl belastbare Monitoringsysteme vielerorts lückenhaft sind und Bestandszahlen häufig eher grobe Näherungen als wissenschaftlich fundierte Tatsachengrundlagen darstellen?

Dankt er für eine Praxis, bei der jedes Jahr Menschen durch Jagdunfälle verletzt oder getötet werden? Dankt er für ein System, in dem illegale Tötungen streng geschützter Arten wie des Wolfs bislang nicht aufgeklärt werden und Täter regelmäßig unbehelligt bleiben? Oder dankt er dafür, dass sich ein Teil der Jagdlobby seit Jahren als angeblicher Artenschutzakteur inszeniert, während zugleich politische Forderungen erhoben werden, die den Schutz bedrohter Arten weiter aushöhlen?

Wann eigentlich hat sich ein Bundeskanzler mit vergleichbarer Wärme bei den zehntausenden ehrenamtlichen Natur- und Artenschützern bedankt, die ohne Waffen, ohne Trophäen und ohne Lobbyempfang Biotope pflegen, Krötenzäune betreuen, verletzte Tiere bergen, Monitoringdaten erheben, illegale Fallen dokumentieren und sich gegen Wilderei, Lebensraumzerstörung und Artenschutzkriminalität stemmen?

Die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz schafft keine Rechtssicherheit. Sie schafft neue Konflikte, neue Missverständnisse und neue juristische Nebelkerzen. Wenn die Bundesregierung damit Handlungsfähigkeit demonstrieren wollte, hat sie vor allem eines bewiesen: dass sie handlungsunfähig ist und sich von der Jagdlobby auf der Nase herumtanzen lässt.

Statt den Artenschutz zu stärken, wurde der Jagdlobby ein politisches Geschenk gemacht. Wer eine besonders und streng geschützte Art jagdrechtlich verwaltet, als sei sie nur ein weiteres Stück Wild auf der Strecke, hat den Sinn des Artenschutzrechts nicht verstanden — oder will ihn nicht verstehen.

Das ist keine moderne Naturschutzpolitik. Das ist Kniefall vor einer Lobby, die sich gern mit grünen Federn schmückt, während sie den Schutzstatus geschützter Arten politisch zerlegt und dabei auch dem Rechtsstaat auf der Nase herumtanzt. Eine Schande.