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Sie würden also „definitiv“ selbst einen Wolf erschießen? Da könnte man fast meinen, Sie müssten sich bei der Jägerschaft gerade besonders beliebt machen. Dabei haben Sie deren bestens vernetzten Lobbyisten und Ihren damaligen Staatssekretär Gregor Beyer doch erst im vergangenen Jahr vom Hof gejagt, ausgerechnet nach einem Streit über Wolfsabschüsse und Abschussquoten. Brauchen Sie die Jägerschaft nun vielleicht wieder? Natürlich ist es vermutlich reiner Zufall, dass gerade jetzt die Afrikanische Schweinepest in der Uckermark zurückgekehrt ist und zur Eindämmung der Seuche erneut eine intensive Bejagung von Wildschweinen erforderlich wird. Das eine hat mit dem anderen selbstverständlich überhaupt nichts zu tun.
Für eine „rechtssichere Lösung“ wollen Sie sich ausgerechnet vom Landesjagdbeirat beraten lassen. Also möglicherweise von Vertretern jenes Milieus, das schon beim politisch passend gerechneten „günstigen Erhaltungszustand“ und bei den Sonderregelungen des neuen Bundesjagdgesetzes kräftig mitgemischt hat. Vielleicht wäre es sicherer, sich von unabhängigen Juristen beraten zu lassen, die sich tatsächlich mit nationalem und europäischem Natur- und Artenschutzrecht auskennen. Denn wenn sich die Abschussbefürworter gegenseitig Rechtssicherheit bescheinigen, ist das keine Rechtsprüfung. Das ist jagdpolitisch betreutes Denken.
Und noch ein Hinweis: Wer als Umweltministerin öffentlich erklärt, selbst einen Wolf erschießen zu wollen, sollte sich nicht wundern, wenn Zweifel aufkommen, ob hier noch unvoreingenommen zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen, rechtlichen Grenzen und jagdpolitischen Interessen abgewogen wird.
Der Wolf wird hier schon wieder als jagdpolitisches Geschenk an die Jägerschaft überreicht, um diese gnädig zu stimmen. Haben Sie denn kein Rückgrat? Sie sollten als zuständige Ministerin das Artenschutzrecht kennen, achten und durchsetzen.
Statt öffentlich über den Abschuss von Wölfen zu sinnieren, sollte sich Ihr Ministerium endlich mit deren tatsächlicher ökologischer Bedeutung befassen und gezielt Forschung hierzu in Auftrag geben. Denn Wölfe könnten gerade bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest wichtige ökologische Leistungen erbringen: Sie fressen infizierte Wildschweine und beseitigen insbesondere infektiöse Kadaver und Kadaverreste aus der Umwelt. Feldstudien sprechen zugleich dagegen, dass Wölfe das ASP-Virus über ihren Verdauungstrakt oder durch ihre weiträumigen Wanderungen in epidemiologisch relevantem Umfang verbreiten.
Noch ist nicht abschließend populationsbezogen belegt, in welchem Maße Wölfe einen Ausbruch oder die weitere Ausbreitung der ASP begrenzen können. Gerade deshalb wäre Forschung angezeigt – statt vorschneller Abschussrhetorik. Vielleicht stellt sich dann heraus, dass der Wolf bei der Seuchenbekämpfung nicht das Problem ist, sondern ein Teil der Lösung.
Wölfe und die Afrikanische Schweinepest
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